May 2020 Core Update: Google aktualisiert Algorithmus

(Dieser Artikel wurde am 05.05.2020 veröffentlicht & zuletzt am 24.05.2020 aktualisiert.)

Am 04. Mai 2020 war es mal wieder soweit: Google kündigte mit dem May 2020 Core Update ein weiteres großes Algorithmus Update an. 😵

Selbstverständlich ist ein derart großes Algorithmus Update nicht sofort überall spürbar. Der weitweite Rollout dauert in etwa zwei Wochen:

Am 18. Mai 2020 wurde offiziell kommuniziert, dass das May 2020 Core Update nun vollständig ausgerollt ist.

Die Auswirkungen dieses Updates sollten nun weltweit spürbar und messbar sein.

OMG!? WTF?! Was nun?

Wie immer bei Core Updates (und allen anderen größeren und kleineren Algorithmus Updates) gilt: Keine Panik! 👈

Manche Websites sind vom aktuellen Update betroffen. Andere wiederum überhaupt nicht. Core Updates zielen üblicherweise nicht auf spezifische Themen, wie beispielsweise Backlinks oder Ladezeit, ab. Sie sind vielmehr eine Generalüberholung des Algorithmus.

Laut Google Webmaster Blogpost What webmasters should know about Google’s core updates kann man sich Core Updates folgendermaßen vorstellen:

One way to think of how a core update operates is to imagine you made a list of the top 100 movies in 2015. A few years later in 2019, you refresh the list. It’s going to naturally change. Some new and wonderful movies that never existed before will now be candidates for inclusion. You might also reassess some films and realize they deserved a higher place on the list than they had before.

Erste Auswirkungen Updates sichtbar
(06.04.2020)

Bereits wenige Tage nach der offiziellen Ankündigung wird im Web von ersten positiven und negativen Auswirkungen des May 2020 Core Updates berichtet. Konkrete Muster sind selbstverständlich (noch) nicht erkennbar. Aufgrund der Tatsache, dass Core Updates eine generelle Erneuerung des Algorithmus darstellen, wird das Erkennen von Mustern zusehends schwieriger.

Meist gibt es bereits wenige Tage nach Rollout eines Core Updates die wildesten Gerüchte und Vermutungen darüber, welche Rankingfaktoren verändert wurden. Dies erzeugt die falsche Hoffnung, dass verloren gegangene Positionierungen durch simple Anpassungen kurzfristig zurück geholt werden können. Leider entspricht das nicht der SEO-Realität von 2020.

Denn laut offizieller Aussage von Google kann es einige Zeit dauern, bis man sich trotz durchgeführter Anpassungen von einem Core Update erholt. Im schlimmsten Fall sogar bis zum nächsten Core Update. Und auch dann ist eine Erholung nicht garantiert…

Was ist bisher zum May 2020 Core Update bekannt?
(24.05.2020)

Mittlerweile sind rund 20 Tage seit der Ankündigung des Updates vergangen. Sowohl die großen SEO-Tool-Anbieter als auch renommierte SEO-Berater haben die bisherigen Veränderungen im Detail analysiert und ihre Erkenntnisse dokumentiert. Diese Erkenntnisse erheben zwar nicht den Anspruch, des Rätsels vollständige Lösung zu sein. Sie können uns aber einen Hinweis darauf geben, welche Bereiche unserer eigenen Website wir bei negativen Entwicklungen näher untersuchen sollten.

Hier eine Übersicht der (meiner Meinung nach bisher) wichtigsten Posts zum May 2020 Core Update:

• SISTRIX: Google Core Update Mai 2020: trotz Covid-19 wirbelt Google die SERPs durcheinander
• SEMrush: Google’s May 2020 Core Update: The Winners and Losers
• MOZ: Google’s May 2020 Core Update: Winners, Winnerers, Winlosers, and Why It’s All Probably Crap
• Searchmetrics: Google Core Update May 2020: Analyse der Gewinner & Verlierer
• RankRanger: The Wrath Of The May 2020 Core Update And The Lessons Learned
• Marie Haynes: An intensive analysis of the May 2020 Google Core Update
• Lily Ray: 550 Winners and Losers of Google’s May 2020 Core Algorithm Update
• Glenn Gabe: The May 2020 Google Core Update

Grob zusammengefasst konnten durch die Analysen folgende Bereiche identifiziert werden. Bitte um Verständnis, dass diese Auflistung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, sondern lediglich einen Überblick zu den wichtigsten Erkenntnissen bieten soll.

Mangelhafte User Experience

Problem: Die RankRanger Analyse zeigt, dass Seiten in den Rankings verloren, wenn der Hauptinhalt nicht direkt ersichtlich bzw. erst unter dem Falz zu sehen war. Glenn Gabe berichtet ebenfalls, dass Websites mit aggressivem Einsatz von Werbung und Werbelinks über dem Hauptinhalt negative Auswirkungen zeigen.

In  den angeführten Beispielen waren beim Seitenaufruf Navigationsboxen, Listen mit Affiliate Links, Werbebanner oder ähnlich „Ablenkendes“ zu sehen. Erst  danach kam der eigentliche Inhalt. Es leuchtet ein, dass dies nicht im Sinne von Google sein kann. Denn es widerspricht einer positiven Nutzererfahrung.

Lösung: Der Hauptinhalt einer Seite sollte möglichst weit oben und im sichtbaren Bereich positioniert werden. Es ist generell kein Problem, wenn Werbebanner oder Affiliate Links in überschaubarem Ausmaß verwendet werden. Jedoch sollten sie nicht allzu stark vom eigentlichen Inhalt der Seite ablenken bzw. diesen zu weit unter den Falz schieben.

Thin Content im Index

Problem: Mehrere Analysen berichten davon, dass Websites mit negativer Sichtbarkeitsentwicklung eine große Anzahl indexierter „Thin Content“-Seiten haben. Von „Thin Content“ spricht man, wenn eine Seite über wenig bis gar keinen individuellen Inhalt verfügt und deswegen von geringer Relevanz für den Google Index ist.

Lösung: Identifizierung von „Thin Content“, um anschließend von der Website entfernt zu werden. Wenn das nicht möglich ist, dann ist ein Ausschluss von der Indexierung via Meta Robots Noindex tag anzudenken. Wie üblich gilt hinsichtlich Content: Qualität > Quantität.

„Super-Autorität“ zu sein ist nicht (mehr) alles

Problem: Bisher waren Websites von „Super-Autoritäten“, z.B. Institutionen wie WHO oder CDC, aufgrund ihrer hohen Vertrauenswürdigkeit in den SERPs sehr prominent dargestellt. Das blieb nicht nur super-autoritären Websites im Health-Bereich vorbehalten, sondern betraf zahlreiche Branchen.

Kleinere Websites mit geringer Autorität kamen dagegen nur schwer an, egal wie sehr sie sich um die Verbesserung der eigenen Expertise, Autorität und Vertrauenswürdigkeit (=“E-A-T“) bemühten. Dies scheint sich in manchen Fällen nun zu ändern. Websites mit großer Autorität werden durch Websites mit geringerer Autorität, aber (scheinbar) höherer Expertise ersetzt. Vielfach handelt es sich dabei um Websites, die umfassende Expertise aus erster Hand vorweisen können, z.B. durch umfassende individuelle und hoch-qualitative Inhalte.

Lösung: Das May 2020 Core Update scheint eine Chance für kleinere Websites mit geringerer Autorität zu sein, wenn sie ihre eigene Expertise glaubhaft kommunizieren können. Die Empfehlung hierfür ist ein mittlerweile altes SEO-Mantra: Liefert individuelle Inhalte höchster Qualität, die es sonst nirgendswo anders zu finden gibt.

Verluste auch abseits YMYL

Problem: In der Vergangenheit war es meist so, dass sich Core Updates auf Websites fokussierten, die Google als YMYL (=“Your money or your life“) kategorisiert. Das umfasst alle Websites, die die Gesundheit, finanzielle Situation oder Sicherheit einer Person beeinflussen können. Für Websites dieser Kategorie gelten höhere Standards sowohl bzgl. inhaltlicher und technischer Qualität, als auch Expertise, Autorität und Vertrauenswürdigkeit („E-A-T“).

Laut Daten von RankRanger führte das aktuelle Update nicht nur im YMYL-Bereich zu starken Rankingschwankungen, sondern auch im non-YMYL Bereich, beispielsweise im E-Commerce oder der Reisebranche. Das Update ist somit deutlich breiter angelegt als vorangegangene.

Grafik des SEO-Tool-Anbieters RankRanger, in der ein Vergleich von Rankingschwankungen in unterschiedlichen Branchen nach dem May 2020 Core Update zu sehen ist.
Rankingschwankungen in unterschiedlichen Branchen

Das bestätigten auch die Herrschaften von SISTRIX in ihrem Post zum Thema:

„Zwar sind auch bei diesem Update wieder zahlreiche Seiten aus dem Gesundheitsbereich betroffen. Einen klaren Fokus auf diese gibt es aber nicht mehr: sowohl bei den Gewinnern als auch bei den Verlierern sind viele andere Themen und Branchen dabei. Von Reise, über Automobil bis hin zu klassischen Nachrichtenseiten kann es fast jeden treffen.“

Lösung: Die eben erwähnte Tatsache macht das May 2020 Core Update also ziemlich einzigartig. Nichts desto trotz oder gerade deswegen gilt für non-YMYL Websites dasselbe wie für YMYL Websites: Fokus auf Verbesserung von E-A-T.

Hilfe, ich bin vom Core Update betroffen. Was ist zu tun?

📉 Fürs Erste heißt das: Behaltet euren organischen Traffic via Search Console und Trackingtools im Auge.

❌ Wenn ihr negativ betroffen seid: Checkt den oben erwähnten Google Blogpost. Dort sind weitere Empfehlungen bzgl. Inhaltsqualität & Websitedarstellung angeführt. Optimiert eure Website anhand dieser Empfehlungen.

✔️ Wenn ihr positiv betroffen seid: Freut euch. Und optimiert dennoch. Das nächste Core Update kommt bestimmt.

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Weiterführende Informationen

• Ankündigung des May 2020 Core Updates auf Twitter
What webmasters should know about Google’s core updates im Google Webmaster Central Blog
More guidance on building high-quality sites im Google Webmaster Central Blog
Search quality rater guidelines von Google